Ein Tag im Leben des Robert Tex

von

Uli Treml

Robert Tex wachte auf. "... die Fruehtemperaturen: Chikago 17, Erlangen 21, Mond (Sonnenseite) -32,". Das war der Radiowecker. Noch bevor Robert bewusst wurde, dass das Radio ihn geweckt hatte, hatte er es auch schon ausgeschaltet. Er hatte doch gerade getraeumt. Noch versuchend, den Traum zurueckzuholen, verschwand die Erinnerung vollkommen. Entweder, kann man sich an einen Traum erinnern oder er ist fuer immer verloren. Um diesen Traum tat es ihm leid; es musste ein schoener Traum gewesen sein.

Was war das gewesen? Fruehtemperaturen... Es musste Zeit zum Aufstehen sein. Eigentlich war er gar nicht mehr muede, doch wuenschte er sich insgeheim, es ware noch nicht 6 Uhr. Ein Blick auf die Uhr lehrte ihn das Gegenteil.

Er musste auf die Toilette. Dort empfing ihn Dev Null, der Abortroboter und -analysator: "Na, haben wir gestern etwas zuviel getrunken?". Robert hatte natuerlich nicht. Aber Dev machte gern solche Spaesse. Dev war fuer ihn ein enger Vertrauter; mit keinem Roboter pflegte er engere Kontakte.

Inzwischen hatte ihm Jove das Fruehstueck bereitet. Er war der Haushaltsroboter. Haushaltsroboter waren die vielseitigsten Maschinen. Sie kochten, raeumten auf, putzten, sagten die Zukunft voraus, drehten Zigaretten, erzaehlten schmutzige Witze, liessen ueberall ihre Ersatzteile liegen, usw. Den Geruechten zufolge basierten sie auf Software, der der grosse Emacs, der bedeutende Robotiker des 21. Jahrhunderts, aus einem Schachprogramm geschaffen hatte. Jove war ein eher beschraenkter Typ. Meist lag er in irgendeiner Ecke und loeste Kreuz- und Querraetsel. Darin hatte er sich aber zum Experten entwickelt. Darum wunderte sich Robert um so mehr, als er ihn beim Fruehstueck fragte: "He, Robert! Bedeutendster Robotiker des 21. Jahrhunderts, 5 Buchstaben?" Vielleicht verbot ihm seine Unterprogrammierung, das zu wissen.

Robert musste zur Arbeit. Beim Hinausgehen rief ihm Jove noch zu: "lass dir nicht wieder dein Pausenbrot von den groesseren abnehmen!" Mancshmal war seine Fuersorglichkeit unertraeglich.

Der Weg zur Arbeit bereitete ihm immer grosses Vergnuegen. Der Weg nach Hause natuerlich auch. Etwa auf der Haelfte des Weges kan er an einer Baustelle vorbei. Ein parr Tetrisse waren damit beschaeftigt, das Pflaster wieder in Ordnung zu bringen. Ihre Arbeit war ziemlich muehselig, wurde doch die Stadt von einer grossen Treibsandplage heimgesucht. Es konnte schon passieren, dass ein frisch verlegtes Pflaster auf nimmer Wiedersehen verschwand. Seltsamerweise meistens gerade dann, wenn eine Reihe voll war.

Ein Netzwerkmanagementroboter bog fiepsend um die Ecke. Obwohl er noch jung und schmaechtig war, machte er einen geschaeftigen Eindruck. Robert beeilte sich. ihm Platz zu machen. Ein paar Augenblicke spaeter war der kleine Kerl nur noch aus der Ferne zu hoeren.

Ja, die Strassen waren voller Leben. Nimmermuede Roboter bewegten sich eilfertig ihre Geschaefte verrichtend. Kinder stroemten zur Schule, um das ABC++ zu lernen, Gemuesehaendler boten ihre Waren feil, Muellsammler irrten umher.

Robert war im Buero angekommen. Sein Chef, ein betagter aber wuerdiger Greis names Peter G. Roff empfing ihn mit sorgenvoller Mine. Robert ueberlegt, was passiert sein koennte: ein Streik, ein Computerabsturz (davon konnte man doch jeden Rak in der Zeitung lesen). AUf jeden Fall musste es ein grosses Unglueck sein, denn seine Augen sprachen Baende. Immerhin traenten sie nicht, sondern sein Mund formulierte die Worte: "Wir haben keinen Kaugummi mehr!"

Das war in der Tat eine katastrophale Katastrophe und musste vor der Oeffentlichkeit geheimgehalten werden. Robert schlug zur Loesung des Problems auf der anschliessenden Abteilungsleitersitzung einen sofortigen Reboot vor, was er eigentlich immer tat, wenn was nicht stimmte. Bash von der Kommunikationsabteilung nahm seine Pfeife aus dem Mund und grummelte, daran waeren nur Sed und Awk schuld, weil sie falsche Daten geliefert haetten. Mister X, die graue Eminenz, die schon 11 Jahre in der Firma werkelte, reagierte auch auf wiederholte Anfragen nicht.

Mitten in die Hektik platzte Gui, die ueberaus attraktive und juengste Tochter von X, und behinderte allein durch ihre Anwesenheit, in dem sie alle Aufmerksamkeit auf sich zog, den Verlauf der Konferenz. Als sie wieder hinausging folgte ihr Robert flugs und machte ihr unversehens einen Heiratsantrag, obwohl jeder sehen konnte, dass sie nicht zusammenpassten. Draussen aber wartete schon Os, ein Halbstarker und ebenfalls Verehrer von Gui, der nicht zoegerte und eine harte Rechte schlug.

Robert fand sich im Krankenhaus wieder. Seine ersten Worte: "Hier ist TeX, Version 3.14.